Wald-Wasser-Klima in Parteiprogrammen

Wald-Wasser-Klima in Parteiprogrammen

Wald und Klimaschutz
WWF:
 

Wälder sind Kohlenstoffspeicher und Klimaanlagen

 
 
 
legal 1st Analyse:

Klimaschutz ist komplex

Was steht in den Parteiprogrammen von CDU, FDP, Grünen und SPD dazu?

Alle reden vom Klimaschutz, aber die sich immer wiederholenden Allgemeinplätzen werden weder dem Ernst der Lage gerecht, noch informieren sie den Bürger über Sachzusammenhänge, Wirkungen und Handlungsbilanzen.

Folgt man Peter Wohlleben und den zahlreichen zitierten wissenschaftlichen Studien in seinem neuen Buch „Der lange Atem der Bäume“, dann wird die Wirkung des Baumes für den Klimaschutz bis heute auf die reine Co2-Bindung reduziert. Übrig bleibt eine Form der Waldbewirtschaftung, die einen Nutzen für Waldbesitzer, Jäger, holzverarbeitende Industrie, den Konzepten für energetisch Kreislaufwirtschaft, Nutztierhaltung und Holzexport hat, aber die Komplexität von intaktem Wald für Klima und Regenniederschläge, die lokale Kühlung, den Wasserhaushalt, den Feuchtigkeitsaustausch im Boden zwischen Wald und Nutzpflanzen, die größtmögliche CO2-Bindung – als einge wenige Beispiele – außer Acht läßt.

Klima, Wald und Wasser haben einen rhetorischen Verkaufswert in der Politik und bilden die Basis für einfache wohlklingende Lösungen zum Klimaschutz, ohne daß sich populistische Rhetoriker mit wissenschaftlichen Studien, Statistiken, Lebens-Energiebilanzen von Produkten, Herstellungszyklen und vielem mehr befassen.

Daß Klimaschutz wichtig sei, behauptet heute jeder, der ein öffentliches Amt anstrebt oder es behalten möchte. Aber was konkret passieren soll, damit gut gemeint auch gut gemacht wird, bleibt in der Regel offen.

Zur Bundestagswahl haben alle Parteien Wahlprogramme veröffentlicht, in denen man nachlesen kann, ob der Zusammenhang zwischen Wald, Wasser und Klima eine Rolle spielt, und wenn ja, welche.

Zur Einleitung sei auf folgende Beiträge hingewiesen, die sich mit der Wahrnehmung des Zusammenhangs von Wald, Wasser und Klima auseinandersetzen:

„Lebend sind sie wertvoller als tot“

500 Wissenschaftler fordern die Regierungsoberhäupter auf, Subventionen und andere Anreize zur Verbrennung von Holz zu stoppen und die Verbrennung von Biomasse nicht mehr als kohlenstoffneutral oder kohlenstoffarm zu bewerten.

WWF: EU ist einer der größten Waldzerstörer

Insgesamt 16 Prozent der globalen Abholzung in den Tropen steht im Zusammenhang mit internationalem Handel auf das Konto der EU.

Wachsende Waldbrandgefahr erfordert intensivere Präventionsmaßnahmen

  1. September 2018

Heute hat die Europäische Kommission ihren Jahresbericht 2017 über Waldbrände in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Danach sind im vergangenen Jahr in Europa über 1,2 Millionen Hektar Wald und Land – eine Fläche größer als Zypern – durch Vegetationsbrände zerstört worden.

Waldschutz ist besser für Klima als Holznutzung: Studie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie mehrfach widerlegt

Das Thema ist umweltpolitisch brisant, da aktuell von Bund und Ländern die Vergütung von Ökosystemleistungen des Waldes und hier vor allem der Beitrag zum Klimaschutz durch die Förderung von sogenannten ‚klimastabilen Wäldern‘ diskutiert werden.

Reaktion auf die Stellungnahme des Thünen-Instituts für Waldökosysteme

Wir stimmen dem Thünen-Institut für Waldökosysteme zu, dass es sich bei den von Schulze et al. (2020a) verwendeten Zuwachsdaten nicht um einen formalen Zitierfehler handelt, sondern um einen methodischen Fehler, der zu falschen Ergebnissen führt.

Was sagen nun die Parteien in ihren Wahlprogrammen.

CDU

„Der Kampf gegen den Klimawandel ist auch ein Kampf für ausreichend Wasser. Wir müssen sicherstellen, dass für alle in unserem Land – Privathaushalte, Landwirte und Unternehmen – ausreichend Wasser vorhanden ist“, Seite 47. Es geht dann um eher technische Maßnahmen, Wald kommt nicht vor.

Die Verbindung Wald und Klima wird durch Waldbewirtschaftung gezogen, Elemente wie Kühlung oder Wasser fehlen, die Betonung liegt auf kurzfristiger CO2-Bindung.

„„Schützen durch Nützen“ ist unser Grundsatz für eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer wertvollen Wälder. Wir stehen zu unserer multifunktionalen Forstwirtschaft, denn nur sie sichert Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion der Wälder gleichermaßen. Nachhaltig bewirtschaftete Wälder und besonders die Verwendung von Holzprodukten mit langen Lebenszyklen verlängern die CO2-Speicherleistung des Waldes.

Damit wir die Klimaschutzziele erreichen, müssen wir neben der wichtigen Verringerung der Emissionen die CO2-Minderung von Wald und Holz stärken. Deshalb werden wir die Klimaschutzleistungen des Waldes unter Einbezug der Holzprodukte finanziell honorieren und eine CO2-Bindungsprämie einführen“, Seite 46.

Die Grünen

Wald, Wasser und Klima werden zusammen genannt, allein die Betonung liegt auf Waldbewirtschaftung in Verbindung mit Feststellungen zum Wald, die jeder treffen würde.

„Unser Wald ist durch die Klimakrise – durch Hitzewellen, Dürre und Stürme – stark bedroht. Wir erleben heute schon ein Waldsterben, das weitaus größere Schäden anrichtet, als in den 80er Jahren durch den sauren Regen entstanden sind. Naturnahe, artenreiche und klimastabile Waldökosysteme sind widerstandsfähiger als Monokulturen. Sie halten den Wasserkreislauf in Balance und die Böden fruchtbar, speichern Kohlenstoff, reinigen die Luft, sind der Lebensraum zahlreicher bedrohter Tiere, Pflanzen und Pilze, produzieren Rohstoffe und dienen der Erholung und Gesundheitsvorsorge. Wir fördern die Entwicklung gesunder Wälder, die mehr Kohlenstoff binden, als aus ihnen herausgeholt oder freigesetzt wird. Wir wollen gesetzliche Mindeststandards festlegen, damit die Waldbewirtschaftung naturnah wird, den Umbau und die Wieder- und Neubewaldung nach ökologischen Bewirtschaftungsvorgaben ausrichten“, Seite 41.

Ein Zusammenhang zwischen Wasser, Wald und Klimaschutz im oben genannten Sinne wird nicht hergestellt. Die Frage des Wassers wird auf sauberes Wasser reduziert.

„Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Düngemittel, Pestizide, Waschmittelrückstände und Medikamentenreste gehören nicht in unser Wasser. Zum Schutz unseres Grundwassers, der Seen, Flüsse und Meere wollen wir deshalb klare gesetzliche Vorgaben, etwa zur Flächenbindung der Tierhaltung und des Pestizid- und Dünge- mitteleinsatzes, verankern sowie die Kläranlagen verbessern. Ein Verursacherfonds und eine Reform der Abwasserabgabe sollen so zu einer fairen Verteilung der Kosten von Abwasser- und Trinkwasseraufbereitung führen“, Seite 43.

FDP

Wald wird als reiner Wirtschaftsfaktor gesehen und kommt entsprechend nach der Landwirtschaft im Programm vor. Immerhin werden Zusammenhänge beim Namen genannt, allein die Betonung liegt auf multifunktional, daß heißt der Nutzung von Wald. Wasser kommt dabei nur als Trinkwassergewinnung vor, das Klima bei der Auswahl der Aufforstungsarten.

„Mit einer Waldschutzoffensive wollen wir die Schadholzbergung, Schädlingsbekämpfung und schnelle Aufforstung mit klimaresilienten und standortgerechten Baumarten im Rahmen der wissenschaftlichen Erkenntnisse forcieren. Stilllegungsflächen sollten auf unwirtschaftlichen Gebieten forciert werden. Wir wollen die Gemeinwohlleistungen der Wälder marktorientiert honorieren. Förderinstrumente sollen grundsätzlich auch für die Forstwirtschaft zur Verfügung stehen. Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse und damit auch Kleinprivatwälder wollen wir stärken. Holz ist der wichtigste nachwachsende Rohstoff in Deutschland. Wir wollen die Forschung für seine Nutzung in diesem Bereich ausweiten. Der Wald hat vielfältige Funktionen als Lebens- und Erholungsraum, Trinkwassergewinnung, Treibhausgassenke und Rohstofflieferant für eine moderne und innovative Holzwirtschaft, die wichtige Arbeitsplätze sichert“, Seite 61.

Weltweit wird mehr Wald für den Klimaschutz gefordert, aber die Überschrift wird vom Inhalt negativ überholt und nur wirtschaftlich interpretiert.

„Mehr Wald und Moore bedeuten auch bessere Lebens-, Ernährungs- und Einkommenschancen – sowohl weltweit für Millionen Menschen in Entwicklungsländern als auch in Deutschland und Europa“, Seite 46.

SPD

Im „Zukunftsprogramm“ der SPD gibt es das Wort Wald nicht. Damit entfällt auch jeder Zusammenhang zwischen Wald, Wasser und Klima.

Das Wort Wasser kommt nur im Zusammenhang mit Wasserstoff vor, auch hier fehlt eine Verbindung zu Wasser, Wald und Klima.

Dafür kommt das Wort Klima in jeder erdenklichen Konstellation vor, aber ohne jegliche Verbindlichkeit oder echte Konkretisierung. Man bietet allgemein allen alles. Das unten aufgeführte Zitat ist beispielhaft.

„Wir müssen die globale Erderwärmung auf weit unter zwei Grad halten und möglichst auf 1,5 Grad Celsius begrenzen. Dafür werden wir unsere eigenen Klimaschutzverpflichtungen gemäß des Pariser Klimaabkommens einlösen und weiter steigern. Darüber hinaus werden wir die Länder des Globalen Südens bei der Anpassung an den Klimawandel in ihrer nachhaltigen Entwicklung unterstützen“, Seite 61.

Fazit:

Keine der oben untersuchten Parteiprogramme bietet eine Antwort oder einen echten Zusammenhang von Wald, Wasser und Klima als Mittel eines langfristigen Klimaschutzes. Im Vordergrund stehen kurzfristige Marketing-Parolen, die jede Partei sagen kann und muß, will sie öffentlich auftreten.

Der Informationspflicht der Parteien als Mittler zwischen Politik und Gesellschaft kommt kein Wahlprogramm in Bezug auf das komplexe Thema Klimaschutz nach.

 

 

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