Insolvenz und Geschäftsführerhaftung

Insolvenz und Geschäftsführerhaftung

Jannik und Tims drohende Insolvenz

(Lesezeit: 5 Min) 

Jannik legte auf und warf sein Handy aufs Sofa. Er schrie vor Wut auf.  Der Gedanken an eine Insolvenz schoß ihm durch den Kopf.

Tim versuchte seinen Co-CEO zu beruhigen. Obwohl er eine Ahnung hatte, worum es in dem Telefonat gegangen war.  

Jannik faucht Tim an, wie er jetzt von ihm verlangen könne, runterzukommen. In einem Schwall verschiedener Flüche ging er zu seinem Schreibtisch und holte Zigaretten aus der Schublade. Dann stellte er sich ans Fenster und versuchte sich doch zu beruhigen.  

Es dauerte zwei Minuten, doch dann brach Jannik die sich ausbreitende Stille und berichtete, dass es sich um ihren Steuerberater gehandelt habe. Er hätte gemeint sie wären ‚wohlmöglich‘ zahlungsunfähig, müssten sofort Kündigungen aussprechen und ihm Zahlen liefern. 

Tim fragte erschrocken, wofür denn Zahlen gebraucht würden und warum auf einmal Kündigungen notwendig seien, denn sie hätten doch gerade erst 10 Leute eingestellt. In Tims Stimme schwang echte Besorgnis mit. Wie sie denn ohne die volle Mannschaft das Roll-Out bewältigen sollten.  

Jannik drehte sich zu Tim um und hob abwehrend die Hände. Laut dem Steuerberater benötigten sie einen Finanzplan, um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit ablesen zu können. Nur so könne wohl beurteilt werden, ob man insolvent sei und vielleicht ein Antrag gestellt werden müsse. Jannik machte das Fenster auf und steckte sich eine Kippe an. Er hatte eigentlich seit der Geburt seiner Tochter vor einem Jahr aufgehört. Immer wieder murmelte er leise das F-Wort.  

Geschäftsführerhaftung
bei Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit

Tim stand jetzt auch auf, keineswegs beruhigt. Solle es das heißen, dass man hier nun alles dicht machen könne – etwas Insolvenz? Und was sei mit dem Investment, ob sie das nicht retten könnten? 

Jannik schüttelte den Kopf. Das hatte der Steuerberater nicht ausdrücklich sagen können, aber es hätte sich so angehört, als wäre alles sehr kritisch.

Jannik sah wieder aus dem Fenster. Wie konnte es soweit kommen. Eigentlich standen sie doch gut da. Hatten erste Umsätze, viel Publicity über die letzten TV-Auftritte erhalten und die Software würde pünktlich fertig. Wie konnte es denn so weit kommen. Unweigerlich musste er sich an seinen Vater erinnern. Er solle das mit dem “Gründen” lassen, hatte er gesagt. Er sei kein Kaufmann und hätte keinen Überblick über die wirtschaftlichen Zusammenhänge.  

Und es stimmte, Jannik war kein Kaufmann. Er war Informatiker – naja ohne Abschluss – und darin vielleicht genial. Zusammen mit Tim entwickelte er einen Sprachassisten, der Siri und Alexa bei weitem überlegen sein sollte. Ihre ersten Ergebnisse waren vielversprechend und sowohl Apple als auch Amazon, sowie diverse Investoren hatten sich bereits mit ihnen in Verbindung gesetzt. Zuletzt hatte auch ihr Investor, Tims Onkel, Ricardo Lopez, darauf gedrängt, dass sie sich anwaltlichen und steuerlichen Rat holten als Bedingung dafür, dass er sie weiter finanziere. Lopez war einst ein erfolgreicher Unternehmer in Spanien gewesen, dessen Immobilienvermögen irgendwie auch die Immobilienblase halbwegs überstanden hatte. Ohne wirklich arbeiten zu müssen, half er heutzutage Start-Ups, wie dem seines Neffen Tim, in Deutschland. 

Tim begann in ihrem Loft auf und ab zu laufen. Anders als Jannik war er kein Raucher. Sie könnten jetzt niemandem kündigen und damit das Team auseindanderreißen. Tim wurde sehr deutlich. Wenn sie jetzt jemandem kündigen würden, dann würden sie nicht fertig und müssten die Messe und kommende Pitches mit Amazon absagen. Dann seien sie wirklich fertig.  

Jannik nickte mit düsterer Miene. Er zog an seiner Zigarette und inhalierte den Rauch. Dann machte sich sowas wie Hoffnung in seinem Gesicht breit. Ob nicht Tims Onkel nochmals Geld nachschießen könne, fragte er Tim. 

Tim schüttelte entschieden den Kopf und verwies darauf, dass sie doch vor zwei Monaten erst 500.000 Euro bekommen hätten. Wenn sie ihm sagten, dass das nicht reiche, verspielten sie sämtliches Vertrauen. Dann können sie ihm auch gleich sagen, dass sie es nicht draufhätten. 

Jannik steckte sich die nächste Zigarette an und murmelte nur, dass er keine Alternative sehe. Wenn er ihnen nicht nochmal helfe, dann seien sie wirklich am Ende. Und sie wären sofort selbst in Schwierigkeiten. 

Tim verstand nichts mehr und fragte, welche Schwierigkeiten er hier meine. 

Jannik lächelte gequält und stellte nur die Frage, ob er schon mal was von Geschäftsführerhaftung gehört habe (…) 

 Kommentar:

Was haben wir hier für eine Situation? Zwei Jungunternehmer, die mit einer coolen Idee hoffen die Welt zu erobern. Und in ihrem Siegeszug kümmern sie sich, wie das EIGENTLICH jeder gute Unternehmer macht, vorrangig um das Produkt und dessen Fertigstellung.  

Denn klar: Ohne Produkt, keine Firma. 

Das Problem: Ohne Firma auch kein Produkt.  

Und so haben Jannik und Tim sich leider in eine Situation hineingefahren, aus der sie nur schwer und mit viel Glück – und wahrscheinlich viel Geld – erst wieder rauskommen.  

Bei einem Unternehmen, dass bislang keine oder nur geringe Einnahmen bislang erzielt – so genau erfährt man es hier noch nicht – muss ganz besonders von Anfang an darauf geachtet werden, dass eine ausgeglichene Bilanz ausgewiesen werden kann und die bestehenden Verbindlichkeiten beglichen werden können. 

Viele Start-Ups haben in Deutschland eine sehr schlanke Kostenstruktur, die ein Überleben auf niedrigem Niveau lange gewährleisten kann.  

Im Falle unserer Jungunternehmer Jannik und Tim aber sehen wir, dass ihr Ehrgeiz ein tolles Produkt auf die Straße zu bringen auch ganz andere Kosten mit sich bringt.  

Wer dann nicht ordentlich beraten wird oder das Know-How dafür gleich selbst mitbringt, begibt sich in Teufels Küche. 

Denn ist einmal eine Zahlungsunfähigkeit (17 InsO – Insolvenz-Ordnung) oder Überschuldung (§19 InsO – Insolvenz-Ordnung) eingetreten – um hier nicht zu verwirren, wollen wir es bei diesen Beispielen vorerst belassen – dann besteht eine AntragsPFLICHT! Wer dieser Pflicht nicht genügt, der macht sich strafbar nach § 15 InsO. 

Tipp:

Deswegen möchten wir an dieser Stelle, mit dieser kleinen Geschichte ganz deutlich warnen: Wenn Sie gründen, dann holen Sie sich von Anfang an einen Steuerberater und einen Anwalt mit ins Boot. Damit Sie von denen nicht über den Tisch gezogen werden, vereinbaren Sie einen Rahmenvertrag, also soetwas wie eine Flatrate für Sie, so dass keine Extrakosten entstehen, wenn Sie bei einer Frage mal zum Hörer greifen und den Anwalt Ihres Vertrauens anrufen. 

Alternativ holen Sie solche Experten mit in Ihr Team. Nur so gewährleisten Sie, dass Sie nicht durch Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit in ein Insolvenz-Risiko mit persönlicher Haftung laufen.

Sie benötigen Beratung oder Unterstützung?

legal 1st ist für Sie da: https://legal-first.de

 

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